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Pirna live: Opfer von SSS-Attacken vor Gericht Posted Mar 16, 2005 - 01:15 PM Langezeit hatte sie sich gegen die rassistischen Anfeindungen gewährt, aber am 1. Juni 02 flüchtete die türkische Familie Sendilmen aus der Sächsischen Schweiz. Vorangegangen waren mindestens 13 Angriffe von Neonazis auf den Dönerladen "Antalya-Grill" den sie in Pirna betrieben. Die Verfahren gegen die Nazis wurden sämtlichst eingestellt, jedoch läuft am Amtsgericht Pirna seit 1. März 05 wieder der Prozess gegen die Sendilmens. In dem seit Anfang 2002 ausgesetzten Prozess wird 5 Angehörigen der Familie Sendilmen von der Staatsanwaltschaft Dresden vorgeworfen sie hätten sich in ingesamt 7 Fällen in ihrem Laden versammelt, um von da aus Angriffe auf umherspazierende Pirnaer "rechte Jugendliche" (sic) zu starten. Damit verharmlost die Staatsanwaltschaft nicht nur Mitglieder der verbotenen "Skinhead Sächsische Schweiz" (SSS), die einen Großteil der Opfer stellen. Die Situation in der sich die Sendilmens damals befanden wird einfach ausgeblendet. In der Zeit in welcher Sendilmens versuchten in Pirna ihren Imbiss zu betreiben, sammelten sich regelmäßig Nazis vor dem Grill, um körperliche und verbale Angriffe gegen die Sendilmens zu starten. Die Nazis drangen, wie nach einer Nazidemo am 1. Mai 1998, teilweise sogar in den Laden ein, randalierten und verletzten mehrfach Familienmitglieder. Die permanenten Bedrohungen und Angriffe wurden in der Stadt von kaum jemandem missbilligt, geschweige denn unterbunden. Stattdessen boykottierte ein Großteil der restlichen Pirnaer Bevölkerung den Laden, und trug damit zu seinem wirtschaftlichen Bankrott bei. Diese Fakten spielen in der Anklageschrift der Staatsanwältin keine Rolle. Damit beachtet sie das Treiben organisierter Nazis genauso wenig, wie einst die Pirnaer Polizei, in derem Beisein Nazis zeitweise fast täglich vom "Antalya Grill" Parolen grölten und Hitlergruß zeigten oder mit Steinen auf die Fenster warfen. Die Zeugen die gegen Sendilmens aussagen sollen, sind fast ausschließlich der SSS bzw. ihrem Umfeld zuzurechnen. Die Verteidigung bemängelte, dass bei ihrer Vernehmung und der Bewertung ihrer Aussagen die Erkenntnisse aus dem SSS-Prozess völlig ignoriert wurden. Der Staatsanwaltschaft war bekannt, dass die Mitglieder der SSS pflegten, ihre Aussagen vor Gericht abzusprechen und sich damit z.B. Alibis zurechtlegten. Im SSS-Prozess wurde genauso festgestellt, dass es erklärtes Ziel der SSS war, die Sächsische Schweiz "von Zecken, Drogendealern und Ausländern zu säubern". Als explizites Angriffsziel der SSS galt auch der "Antalya-Grill". Das hätte in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden berücksichtigt werden müssen. Ein Antrag im ersten Prozesstag, am 1. März 05, die Anklageschrift wegen grober Mängel nicht zu verlesen, wurde vom Gericht abgelehnt. Staatsanwältin Kroll-Perband verlass daraufhin die Anklage. Laut dieser sollen sich Sendilmens in mehreren Fällen, in den Jahren 2000 bis 2001, im Laden mit Messern, Stöcken, Elektroschockern u. a. versammelt haben um dann auf der Straße spazierende "rechte Jugendliche" anzugreifen. Diese "Jugendlichen" sind z.B. Thomas Rackow ("SSS Member" und Betreiber des Naziportals "Heimatschutz.uuurg"), Stefan Niedermeier (SSS), Rene Schwenke (SSS), Ronny Weber (SSS), Ferry Weihs (SSS), sowie die Neonazis Jens und Ronny Strauß, Timo Gehrmann, Thomas Luger, Renè Hermann, Sabine Schneider, Thomas Schill, Michael Müller, Jens Böhmert, Michael Wunderlich, Lars Hein und Andreas Wehner, der aber nicht mehr am Leben ist. Die als Zeugen geladenen Nazis haben jetzt doch noch ein wenig Zeit ihre Aussagenlogik weiter zu organisieren. Die Verteidigung der Sendilmens beantragte 11 Aktenordner mit Telefonüberwachungsprotokollen der SSS und 12 Aktenordner, die das LKA bisher ausschließlich sich selbst zur Verfügung gestellt hat, zum Prozess hinzuzuziehen. Der Prozess wurde daraufhin am dritten Verhandlungstag zur Einsichtnahme erstmal bis Ende diesen Sommers vertagt. Ausführlichere Infos zum bisherigen Prozess und den Angriffen auf den "Antalya-Grill" finden im Pirna-Special bei der Antifa Dresden. Ein Video von einem der Angriffe findet sich hier. |